lesende Gartenzwerge
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Dienstag, 02. Oktober 2007

© Marebuchverlag
220 Seiten
September 2007
ISBN: 978-3866480650

Michal Zamir: Das Mädchenschiff

DAS MÄDCHENSCHIFF von Michal Zamir hat autobiografische Züge und berichtet über die Situation der Frauen in der israelischen Armee

Mit 18 Jahren müssen junge Israelinnen zum Militär. Auch die Heldin in Michal Zamirs Buch bleibt von der zweijährigen Dienstzeit nicht verschont. Die Autorin beschreibt ihre letzten Monate in einem Stützpunktbüro für höhere Offiziere, dem so genannten „Mädchenschiff“ inmitten einer durchweg männlich-dominierten Welt. Und schamlos nutzen dort viele Befehlshaber ihre Autorität, um junge Rekrutinnen in sexuelle Verhältnisse zu drängen.

Auch Zamirs Protagonistin (ihr Name bleibt anonym) ist auf diese Weise schon mehrfach schwanger geworden, doch die Väter wollten stets ungenannt bleiben. Wie alle jungen Frauen sollte sie eine „Vergewaltigung durch Araber“ angeben, damit sie eine Ausschabung vom Militär spendiert bekommt - und niemand etwas erfährt.

Sie aber träumt von Zuneigung, Liebe und einer Zukunft, denn von ihrem privaten Leben ist sie zwei Jahre lang abgeschnitten. Die Schwangerschaften verschweigt sie ihrem strengen Elternhaus, leidet stattdessen unter Minderwertigkeitsgefühlen und reagiert mit gespielter Gleichgültigkeit auf die harte Macho-Welt des Militärs. Selbst den Selbstmord einer Freundin registriert sie nur am Rande. Ist sie bereits Teil der unbarmherzigen Maschinerie geworden?

Schon seit der Gründung Israels werden Frauen ebenso wie Männer zur Armee eingezogen und Wehrdienstverweigerung ist praktisch unmöglich. Doch außer gelegentlichen Nachrichten über die hohe Selbstmordrate unter den Rekruten und die wichtige Rolle der Armee als „Partnerbörse“ erfährt man hierzulande nur wenig über das Leben der Betroffenen. Der Roman von Michal Zamir gibt uns einen kleinen Einblick in die Verhältnisse hinter dem Kasernenzaun.

20 Jahre, sagt die Autorin, die selbst zwei Jahre „dabei“ war, habe sie gebraucht, um dieses Buch zu schreiben – obwohl sie betont, dass es keine autobiografischen Züge hat. Was sie darstellt, sind keine schönen Aussagen über eine Armee, die gerade in Israel eine zentrale gesellschaftliche Rolle spielt. Frauen an der Waffe - was nach außen als Gleichberechtigung aussieht, entpuppt sich oft genug als Reproduktion der Gewaltverhältnisse nach innen. Zamir zeigt auf, wie die jungen Rekrutinnen mit dem streng hierarchischen System umgehen und immer wieder daran zerbrechen.

Aber sie sieht auch Hoffnung auf Veränderung – nicht zuletzt aufgrund ihres Buches, das in Israel hohe Wogen geschlagen hat und die Feuilletonisten begeistert. Auch wenn es keine leichte Kost ist: Zamir präsentiert uns eine sehr empfehlenswerte Geschichte über ein Land, das fast jede Woche über unsere Nachrichtenschirme flimmert.

Michal Zamir wurde 1964 in Tel Aviv geboren und ist die Tochter von Zvi Zamir, der zur Zeit des Münchner Attentats von 1972 den Mossad führte. Sie hat als Achtzehn- bis Zwanzigjährige ihren Armeedienst abgeleistet. Michal Zamir lebt mit ihrer Tochter in Tel Aviv.

Rezension von Silke Schröder


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