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Freitag, 03. September 2011

© Hoffmann und Campe Verlag
510 Seiten
August 2011
ISBN: 978-3455400977

Claudia Weiss: Schandweib

SCHANDWEIB von Claudia Weiss ist ein spannender historischer Krimi, der viel über die Situation Hamburgs im angehenden 18. Jahrhundert erzählt.

Hamburg 1701: Der junge Hinrich Wrangel erhält die Zulassung als Advokat am Hamburger Niedergericht, und gleich sein erster Fall erregt in der Öffentlichkeit das allergrößte Aufsehen - am Schweinemarkt wurde eine geköpfte Frau gefunden. In Tatverdacht gerät Ilsabe Bunk, die sich jahrelang als Mann ausgegeben hat und mit einer Frau verheiratet war. Ein gefundenes Fressen für die Öffentlichkeit, die in ihr eine Hexe sieht und nach einem halben Jahrhundert in Hamburg endlich wieder einen Scheiterhaufen brennen sehen will. Vor Wrangel, der an Ilsabes Unschuld glaubt und sie retten will, steht keine leichte Aufgabe. Und auf der Suche entlastenden Indizien gerät er auch noch selbst in eine gefährliche Intrige – bis plötzlich Hilfe von überraschender Seite kommt.

„Schandweib“ von Claudia Weiss ist ein spannender historischer Krimi, der viel über die Situation Hamburgs im angehenden 18. Jahrhundert erzählt. Anschaulich beschreibt sie die brisante politische Situation in Europa und insbesondere die Konflikte mit den dänischen Nachbarn, die direkt vor den Toren der Stadt lagerten. Weiss gibt einen Einblick in das damalige Rechtswesen und die kleinen, aber feinen Fortschritte auf diesem Gebiet – wie etwa jenes neue Gesetz, nach dem Folter nur noch dann erlaubt war, wenn den Angeklagten die grausamen Instrumente vorher genauestens erklärt wurden. Auch erfahren wir, dass Juden in Hamburg, anders als im dänisch besetztem Glückstadt, keine Bürgerrechte bekamen, und dass Frauen wenige Jahrzehnte nach der letzten Hexenverbrennung noch immer noch keine anspruchsvollen Berufe ergreifen, geschweige denn eine Universitäten besuchen durften. So blieb ihnen oft nur die Arbeit als Dienstmädchen, bei dem sie den Launen ihrer Arbeitgeber erbarmungslos ausgesetzt waren. Nicht wenige von ihnen suchten deshalb ihr Glück in Männerkleidung. Mit dem jungen Rechtsanwalt Hinrich Wrangel schafft Claudia Weiß einen sympathischen Helden, der versucht, gegen den Hamburger Juristenklüngel anzugehen und der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Wer historische Krimis mag und dabei jede Menge spannende Hintergrundinformationen über eine Großstadt in der Zeit der beginnenden Aufklärung mitnehmen möchte, ist bei „Schandweib“ genau richtig.

Claudia Weiss, Jahrgang 1967, ist promovierte Historikerin und Privatdozentin. Sie hat in Hamburg und Moskau Geschichte, Slawistik und Geographie studiert und im Anschluss zwölf Jahre als Osteuropa-Historikerin in Deutschland, Frankreich und Russland geforscht und gelehrt, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Neben wissenschaftlichen Fachpublikationen schrieb sie für »GEO Epoche« und veröffentlichte im März 2011 »Das Reich der Zaren«, einen Sachbildband. »Schandweib« ist ihr erster Roman.

Rezension von Silke Schröder

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