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Sonntag, 12. Februar 2017

© CulturBooks Verlag
240 Seiten
6. Februar 2017
ISBN: 978-3959880206

Martin Spieß: Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme

UND BIS ES SO WEIT IST, GIBT ES EISCREME von Martin Spieß ist eine gelungene Polit-Komödie, ein Provinztrip und eine Reise ins moderne popkulturelle Universum.

Zwei gute Freunde aus Berlin fahren zusammen ins Wendland, um in Gorleben gegen die Castor-Transporte zu demonstrieren. Denn Jäger ist der Meinung, dass Protestieren seit Edward Snowden wieder cool sei, und außerdem ließe sich dort zwischen guten Taten und aufregenden Abenteuern auch leicht mal Frauen kennenlernen. Um sich besser durch die Polizeikontrollen und Absperrungen bewegen zu können, hat er für beide britische Presse-Ausweise gefälscht – auf die Namen Matt Smith und David Tennant. Auf ihrem Weg durch die Provinz begegnen sie immer wieder spannenden Menschen, die sich im Wendland niedergelassen haben oder dort schon immer leben. Doch dann wird ihr revolutionsromantischer Demoausflug jäh durch ein Räumfahrzeug gebremst. Einer von ihnen gerät unter die Räder.

Mit “Und bis es soweit ist, gibt es Eiscreme” gelingt Martin Spieß ein Roadmovie aus der niedersächsischen Provinz – dem Wendland, das seit den späten 1970er Jahren nicht nur Protestbühne, sondern auch Heimat für Hippies, Ökobauern, “hauptberufliche” Atomkraftgegner und Großstadtflüchtlinge geworden ist. Denn schon seit vierzig Jahren wird dort gegen Atomenergie protestiert, erst gegen die Errichtung eines zentralen nuklearen Endlagers, jetzt gegen die regelmäßigen Castor-Transporte, die benutzte Brennstäbe ins Dauer-Zwischenlager bringen. Der Ich-Erzähler und sein bester Freund Jäger, die beide in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen sind, sehen in ihrem Demo-Trip Abenteuer ebenso wie politischen Protest. Und sie schmücken die aufregenden Ereignisse mit all ihrem sekundären Erleben aus TV-Serien, Filmen oder Musik aus – popkulturelle Philosophie, wie das Universum von Star Trek, ist ihnen eben geläufiger als komplizierte Realpolitik. Und jeder Kenner der Popkultur weiß, wer Matt Smith und David Tennant sind – richtig: zwei Dr. Who-Darsteller, die in ihrer Zeitmaschine, der Tardis (äußerlich leicht zu verwechseln mit einer blauen britischen Telefonzelle) immer wieder die Welten retten. Über dem ganzen schwebt eine so süßlich duftende Wolke Cannabisgeruch, dass das Ende nur offen bleiben kann: Was passiert wirklich mit Jäger? Ist es real oder wieder nur eine fiktive Sequenz? So ist “Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme” eine gelungene Polit-Komödie, ein Provinztrip und eine Reise ins moderne popkulturelle Universum – und auch ein Bericht über realen Protest.

Martin Spieß, geboren 1981 in Dannenberg (Elbe), lebt und arbeitet als Schriftsteller und Musiker im Wendland. Er studierte von 2003 bis 2008 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Neben Veröffentlichungen in Magazinen, Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen bereits zwei Kurzgeschichtenbände, ein Roman und eine Novelle. Er macht deutschsprachigen Indierock unter dem Namen VORBAND. »Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme« ist sein zweiter Roman.

Rezension von Silke Schröder

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