Curtis Sittenfeld: Die Frau des Präsidenten
Curtis Sittenfeld schreibt mit "Die Frau des Präsidenten" nicht nur eine fiktive Lebensgeschichte, sie wirft auch einen aufschlussreichen Blick auf die letzten Jahrzehnte der USA.
Alice wächst als behütetes Einzelkind in den Nachkriegsjahren einer US-amerikanischen
Kleinstadt auf. Mit ihrer geliebten Großmutter erlebt sie die aufregenden
Dinge der Kindheit, ihre Eltern hingegen erziehen sie eher konservativ.
Doch als sie mit 17 Jahren in einen Autounfall verwickelt wird, bei dem
ihr Freund ums Leben kommt, ist für Alice die unbeschwerte Jugend vorbei.
Sehr tief sitzen ihre Schuldgefühle.
Als sie ein paar Jahre später den charismatischen
Charlie Blackwell kennen lernt, wird er zur Liebe ihres Lebens. Blackwell
stammt aus einer reichen konservativen Familie und macht auf Umwegen Karriere
in der Politik. Alice kündigt ihren Job als Lehrerin und verlässt sich ganz
auf ihr neues Glück. Sie ist Demokratin, er überzeugter Republikaner. Trotz
einiger Rückschläge bleiben sie zusammen, und am Abend der großen Präsidentschaftswahl
raisoniert Alice verwundert über ihr Leben – wird sie die Frau des Präsidenten?
Einfühlsam und kurzweilig beschreibt Curtis Sittenfeld die fiktive Lebensgeschichte
der ehemaligen First Lady Laura Bush. So ungeliebt ihr Mann George W. Bush
am Ende seiner Amtszeit auch war, auf Laura Bush färbte der unaufhaltsame
Absturz des letzten US-Präsidenten nicht ab. Curtis Sittenfeld lässt ihrer
Protagonistin sehr viel Platz, um aus ihrem Leben zu erzählen. Gespräche,
Begegnungen und kleine Begebenheiten werden nahezu episch ausgebreitet,
doch dank eines geschliffen-gewandten Stils wird die Erzählung trotz aller
Akribie nie langatmig. Der Roman handelt aber nicht nur von persönlichen
Erlebnissen, sondern auch von Schuld und Macht, von schweren Entscheidungen
und ihren Folgen bis hin zu der Frage, ob es Selbstaufgabe ist, die eigenen
politischen Überzeugungen hinter das Funktionieren einer Ehe zurück zu stellen.
Curtis Sittenfeld ist eine gute Beobachterin und wirft einen aufschlussreichen
Blick auf die letzten Jahrzehnte der USA. Ein ebenso beachtlicher wie unterhaltsamer,
dicker Wälzer über – die Frau des Präsidenten.
Curtis Sittenfeld unterrichtet Englisch an der St. Albans School in
Washington und ist Absolventin der Stanford University und des Iowa Writers
Workshop. Mit 16 erhielt sie ihren ersten namhaften Literaturpreis, ihre
Arbeiten sind seitdem unter anderem in der New York Times, Fast Company
und der Washington Post veröffentlicht worden.
Rezension von Silke Schröder
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