Christine Neudecker: Das siamesische Klavier
„Das siamesische Klavier" von Christine Neudecker ist ein charmantes kleines Gruselbuch für die Vorlesestunde am flackernden Kaminfeuer.
Ein Freefighter kämpft gegen einen scheinbar unbesiegbaren Gegner. Ein junger Mann zieht in die Wohnung seiner Ex-Freundin und beginnt nach dem Erhalt einer mysteriösen SMS mit dem Anbau von Kartoffeln. Und einige Mädchen bekämpfen die Langeweile einer verregneten Jugendfreizeit mit dem Legen von Seancen - und erleben ein Desaster.
In Christine Neudeckers mysteriösen Geschichten schwingt immer ein bedrohlicher Unterton mit. Mit leichter Feder schafft sie es, jeder der sieben Stories des Sammelbandes eine gruselige Nuance zu geben. Dabei versetzt sie den unterschwellig-unheimlichen Erzählstil eines E.T.A. Hoffmanns (Der Sandmann) oder einer Daphne du Maurier (Die Vögel) in unsere hoch technisierte Welt, verzichtet völlig auf gängige Horror- oder Action-Mystery-Elemente - und lässt uns doch nach jeder Erzählung mit einer leicht schauerlichen Stimmung zurück. „Das siamesische Klavier": Ein charmantes kleines Gruselbuch für die Vorlesestunde am flackernden Kaminfeuer.
Christiane Neudecker, geb. 1974, studierte Theaterregie in Berlin. Sie ist Regisseurin beim Berliner Künstlernetzwerk phase7 performing.arts (www.phase7.de). 2005 erschien ihr begeistert aufgenommenes Erzähldebüt "In der Stille ein Klang", 2008 ihr erster Roman "Nirgendwo sonst".
Rezension von Silke Schröder
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