Katharina Münk: Die Insassen
gelesen von Jürgen Uter
Die Insassen von Katharina Münk ist eine feine Wirtschaftsatire – ideal für den täglichen Wahnsinn. gelesen von Jürgen Uter
Drei Top-Manager werden unabhängig von einander in eine renommierte hessische Psychiatrieanstalt eingeliefert, völlig ausgebrannt vom Job und im Alltag bereits deutlich neben der Spur. Der Manager Keith Winter hat in einem Wutanfall das Navi seines Mietwagens zerstört. Das Vorstandsmitglied Dr. Wilhelm Löhring taucht, trotz Ruhestand, weiter bei der Arbeit auf und kommandiert seine Sekretärin herum. Und Hubert Wienkamp hat, für alle überraschend, die 180 Grad-Wendung vom tyrannischen Chef zum "Soul Manager" vollzogen. Löhring nimmt die neue Situation gelassen, denn er ist sowieso überzeugt, der neue Chairman der Anstalt zu sein. Zusammen mit seinen Kumpels Winter und Wienkamp fängt er an, den Börsengang der Klinik vorzubreiten. Als auch noch Frau Schlick, eine ehemalige Chefsekretärin, aus therapeutischen Gründen eingewiesen wird, ist auch das Backoffice besetzt und das Quartet perfekt. Von nun an versuchen die Vier mit allen Tricks, ihren Laden an die Börse zu bringen.
Katharina Münk ist das Pseudonym einer ehemaligen Sekretärin, die beruflich viele Erfahrungen mit psychotischen Führungskräften sammeln konnte, bevor sie vor zwei Jahren mit dem Buch „Und morgen bringe ich ihn um“ einen großen Verkaufserfolg landete. Auch in „Die Insassen“ rechnet sie wieder mit ihrem Beruf und dem egomanen Gehabe vieler Chefs ab. Und das macht sie auf eine herrlich- sarkastische Art. Minutiös nimmt sie die selbstgefällige Managermentalität auseinander und beschreibt, wie einfach mit genügend Selbstbewusstsein, dem jeweils aktuellen Wirtschafts-Vokabular, einer Top Performance und einigen kleinen Kniffen ein völlig aus der Luft gegriffener Börsengang inszeniert werden kann – und wie leicht sich viele Zeitgenossen von derartigem Gehabe beeindrucken lassen. Der Schauspieler Jürgen Uter unterstreicht den humorvoll ironischen Stil mit einer rundum gelungenen Intonation. Feine Wirtschaftsatire – ideal für den täglichen Wahnsinn.
Rezension von Silke Schröder
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