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Mittwoch, 26. April 2007

© Dtv Literaturverlag
360 Seiten
Oktober 2006
ISBN: 978-3423245579
Original: A Short History
of Tractors in Ukrainian

Marina Lewycka: Kurze Geschichte des Traktors auf ukrainisch

KURZE GESCHICHTE DES TRAKTORS AUF UKRAINISCH von Marina Lewycka ist ein gelungener Roman, der uns mit britisch-bösem Humor Auswandererschicksale näher bringt und uns zeigt, warum Immigration alle Hindernisse überwindet.

Seit über 30 Jahren lebt der 84-jährige Ex-Ukrainer Nikolai in England. Vor zwei Jahren ist seine Frau gestorben, und nun will er wieder heiraten. Seine Angebetete ist eine 36-jährige vollbusige Ukrainerin namens Valentina, die wiederum ganz eigene Probleme plagen: Ihr Touristen-Visum läuft bald ab und ihre Perspektiven in der verarmten Heimat sind alles andere als rosig. Als Nikolais Töchter von der anstehenden Hochzeit Wind bekommen, schrillen die Alarmglocken: Sie befürchten eine Scheinehe, in der es nur um die Aufenthaltserlaubnis und Nikolais Ersparnisse geht.

Und tatsächlich erfüllt der nicht mehr ganz taufrische Bräutigam seiner Zukünftigen bald jeden Wunsch, wobei er seinen finanziellen Etat erheblich überspannt. So versuchen die Töchter, seine Hochzeitspläne zu durchkreuzen und die ehemalige Touristin Valentina mit Behördenhilfe aus dem Lande zu befördern. Doch die weiß sich zu wehren und am Ende kommt alles anders, als man denkt.

Ohne Zweifel etwas bizarr und sarkastisch liest sich der Debut-Roman von Marina Lewycka, der jüngste Überraschungserfolg auf der britischen Insel. Frei nach dem „Borat“-Prinzip jongliert Lewycka mit allen gängigen Klischees und Vorurteilen über den kalten Osten. Da trifft die skrupellose Habgier falscher Blondinen, die nur den Statussymbolen des goldenen Westens hinterher hecheln, auf das geifernde Verlangen alternder Männer, die für die Brustvergrößerung ihrer jungen Freundinnen Hab und Gut verschleudern.

Ebenso amüsant wie erschreckend sind die Methoden, die im Widerstreit dieser unterschiedlichen, aber eben doch kompatiblen Interessen angewandt werden – und wen wundert’s, dass die Moral dabei zuerst auf der Strecke bleibt? Doch Lewycka begnügt sich nicht mit der brilliant-ironischen Schilderung armseliger menschlicher Egoismen. Einfühlsam schickt uns die Autorin auf eine Reise hinter die Kulissen, zeigt uns die Lebensverhältnisse der verschiedenen Akteure und hinterlässt uns am Ende ratlos, wem eigentlich Sympathie oder Verurteilung gelten müssen. Nebenbei erfahren wir viel über die Geschichte der Ukraine, über Stalins Politik - und über die Entwicklung von Traktoren. Ein gelungener Roman, der uns mit britisch-bösem Humor Auswandererschicksale näher bringt und uns zeigt, warum Immigration alle Hindernisse überwindet. Für Fans von Borat und Monty Phytons ganz sicher ein Vergnügen!

Marina Lewycka wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind ukrainischer Eltern in einem Flüchtlingslager in Kiel geboren und wuchs in England auf. Sie ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter, lebt in Sheffield und unterrichtet an der Sheffield Hallam University. Dies ist ihr erster Roman.

Rezension von Silke Schröder

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