lesende Gartenzwerge
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Donnerstag, 12. August 2010

© Unionsverlag
283 Seiten
Juli 2010
ISBN: 978-3293100183
Original: Bir Gün

Ayşe Kulin: Der schmale Pfad

Ayse Kulins Roman DER SCHMALE PFAD ist ein ebenso emotionaler wie eindrucksvoller Roman, der das Verhältnis zwischen Türken und Kurden zum Thema hat.

Die angesehene Journalistin Nevra Tuna plant eine Reportage über die inhaftierte kurdische Extremistin Zeliha Bora. Und tatsächlich: trotz vieler Hindernisse bekommt sie einen Termin im Istanbuler Frauenknast und auch Zeliha stimmt der Reportage zu. Doch als die beiden Frauen aufeinander treffen, prallen auch zwei politische Weltanschauungen aufeinander. Nevra, die Intellektuelle, spricht sich für Integration, Bildung und ein friedliches Miteinander aus, die Kämpferin Zeliha redet von der Zwei-Klassen-Gesellschaft, dem Befreiungskampf ihres Volkes und den unüberbrückbaren kulturellen Unterschieden. Schnell heizt sich die Stimmung auf, ein Wort gibt das andere – bis sich Nevra, kurz vor dem Abbruch des Gesprächs, als alte Freundin aus Kindertagen zu erkennen gibt. Aus der hitzigen Debatte wird ein spannendes und emotionales Gespräch, das die beiden Frauen nicht nur sehr viel näher bringt, sondern auch ein neues Licht auf ihre Ziele wirft. Die sind sich nämlich viel ähnlicher, als gedacht.

Ayse Kulins Roman „Der schmale Pfad“ ist ein ebenso emotionaler wie eindrucksvoller Roman, der eigentlich nur aus einem einzigen Dialog besteht. Und dieses Gespräch beleuchtet wie im Brennglas das oftmals angespannte Verhältnis zwischen Türken und Kurden. So geht es neben den persönlichen Schicksalen der beiden Frauen um die ungenügenden Bildungschancen für kurdische Kinder und Frauen, um archaische Traditionsreste wie Blutrache und Ehrenmord, um die restriktiven Methoden des türkischen Staates, um unbarmherzige Haftmethoden und offene Fälle von Folter. Es gibt kaum ein Thema, dass nicht angesprochen wird. Doch auch wenn die beiden Frauen, die Kämpferin ebenso wie die Intellektuelle, an der aktuellen Situation nichts ändern können, so sehen doch beide in der Bildung, gerade bei jungen kurdischen Mädchen, die oft weder lesen noch schreiben können, einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft - nicht nur für ein gleichberechtigtes Umgehen zwischen Türken und Kurden, sondern auch zwischen Frauen und Männern.

Das Vorbild für die Figur der Kurdin Zeliha Bora ist übrigens die türkische Politikerin und kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. Als die ihre Einwilligung zu einer von Kulin geplanten Biografie zurückzog, entschloss sich die Autorin zu einem fiktiven Roman über eine starke kurdische Frauenfigur. Überzeugend, spannend und informativ.

Ayşe Kulin, geboren 1941 in Istanbul, wuchs in Ankara auf und studierte am American College Literaturwissenschaften. In den Achtzigerjahren arbeitete sie als Redakteurin und Reporterin für diverse türkische Zeitungen und Zeitschriften, als Produzentin für Fernsehen, Werbespots und Kinofilme. Mehrere Male wurde sie als »Autorin des Jahres« ausgezeichnet, viele ihrer Erzählungen und Romane wurden verfilmt und gelten in der Türkei als Bestseller. Seit 2007 ist Ayşe Kulin ehrenamtliche UNICEF-Botschafterin.

Rezension von Silke Schröder


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