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Montag, 28. Dezember 2015

© Limes Verlag
400 Seiten
28. Dezember 2015
ISBN: 978-3809026570
Original: All the bright places

Rezension von Nele Schröder

Jennifer Niven: All die verdammt perfekten Tage

ALL DIE VERDAMMTEN TAGE von Jennifer Niven ist für Leute, die traurige und romantische Bücher gut finden und einen langen, gedankenvollen Nachmittag mit Tee und Taschentüchern auf dem Sofa verbringen wollen.

Finch und Violet sind zwei Teenager in Indiana, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Finch ein draufgängerischer Einzelgänger ist, der Schallplatten hört und traurig-tiefsinnige Gedanken an die Zimmerwand pinnt, gilt Violet als beliebte Cheerleaderin. Dennoch haben die beiden eine Gemeinsamkeit. "Ist heute ein guter Tag zum Sterben?" - diese Frage stellt Finch sich täglich, während er im Netz nach den besten Selbstmord-Methoden sucht. "Ich bin noch nicht so weit" - seit dem Tod ihrer älteren Schwester hat Violet sich verändert, und so ist dies ihre Standardantwort wenn sie gefragt wird, warum sie nicht mehr schreibt oder zu Partys geht. Violet und Finch treffen sich auf dem Glockenturm ihrer Highschool. Beide wollen springen, aber sie tun es nicht. Stattdessen sieht es so aus, als hätte Violet Finch das Leben gerettet. Während Finch also weiter seine Freak-Rolle spielt, gilt Violet als Heldin. Und während sie auf einer gemeinsamen Reise durch Indiana nach und nach ihr Lebensgefühl wieder findet, verschwindet seins zum gleichen Maße.

"All die verdammt perfekten Tage" ist abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten geschrieben, wodurch man sich gut in sie hineinversetzen kann. Während jedoch der Charakter Finchs sehr abwechslungsreich wirkt, weil Klischees und trübseliges Lamento vermieden werden, bleibt Violet zunächst etwas eindimensional. Ein starkes Thema der Story ist natürlich der Selbstmord und die Frage, wie man mit dem Gedanken daran umgeht: wie Violet, die diese Option anfangs nicht einmal vor sich selbst richtig zugeben möchte, oder wie Finch, der offen darüber redet? Der innere Konflikt der beiden Charaktere wird auf diese Weise sehr gut dargestellt. Glaubwürdig erscheint auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden, da von Anfang an eine gegenseitige Anziehung zu erkennen ist, selbst wenn Finch sie eher willkommen heißt, als die kritische Violet. Der Roman wird oft mit John Greens "Das Schicksal ein mieser Verräter" verglichen. Doch dieser Vergleich hinkt, denn einerseits muss die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, anders als bei Green, noch wachsen, und andererseits spielt zwar in beiden Büchern der Tod eine zentrale Rolle, jedoch aus grundlegend anderen Motiven: Selbstmord und Krebs sind nur bedingt vergleichbar. Fazit: "All die verdammt perfekten Tage" ist auf jeden Fall für Leute empfehlenswert, die traurige und romantische Bücher gut finden. Die Charaktere sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch lohnt sich die Geschichte für einen langen, gedankenvollen Nachmittag mit Tee und Taschentüchern auf dem Sofa.

Jennifer Niven wuchs in Indiana auf, dort, wo auch All die verdammt perfekten Tage spielt. Mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte von Violet und Finch hat sie Verlage in aller Welt begeistert – die Rechte wurden in 32 Länder verkauft. In den USA stieg All die verdammt perfekten Tage sofort auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste ein, eine Hollywoodverfilmung ist ebenfalls in Planung. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten und ihren »literarischen« Katzen in Los Angeles, wo sie 2000 das Schreiben zu ihrem Hauptberuf machte.

Rezension von Nele Schröder

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