lesende Gartenzwerge
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Mittwoch, 26. April 2007

© Blessing Verlag
Januar 2005
ISBN: 389667210X
Original: State of Fear

Michael Crichton: Welt in Angst

Welt in Angst von Michael Crichton ist spannend und kurzweilig. Und regt dazu an, sich mit Umweltfragen zu beschäftigen

.

Peter Evans ist ein junger Staranwalt, der sich sehr für den Naturschutz einsetzt. Und auch sein millionenschwerer Mandant George Morton investiert viel Geld in die Umweltorganisation NERF. Nur durch Zufall kommen die beiden einem unglaublichen Komplott auf die Spur: Will NERF zusammen mit Ökoterroristen eine riesige Naturkatastrophe herbeiführen, um die Theorie der künstlichen Erderwärmung zu „beweisen“?

Als Morton bei einem Autounfall ums Leben kommt, verdichten sich die Hinweise. Zusammen mit Mortons Assistentin Sarah und dem durchtrainierten Wissenschaftler und FBI-Agenten John Kenner versucht Evans, die Ökoterroristen aufzuhalten – ein lebensgefährlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Keine Frage, Michael Chrichtons neuer Roman polarisiert. Stimmt die Theorie, dass sich durch den CO2 Ausstoß die Erdatmosphäre gefährlich erwärmt, oder ist alles nur Panikmache? Die Wissenschaft ist sich nicht einig, doch für Chrichton ist die Sache klar: Umweltschutzkampagnen sind vor allem das Karrierespungbrett ehrgeiziger Öko-Funktionäre, die von den Ängsten anderer leben und dafür selbst mit Terroristen kooperieren.

Man kann darüber spekulieren, ob dies die ehrliche Überzeugung des Autors ist, ob er sich den Frust über privaten Ärger mit der Umweltschutzbehörde von der Seele schreiben wollte oder ob er neuerdings auf einer geheimen Gehaltsliste der Bush-Administration steht, um den Nicht-Beitritt der USA zum Kyoto-Abkommen zu rechtfertigen. Dennoch bleiben seine Verweise auf technischen Fortschritt und die heilsamen Kräfte des freien Markts („Es musste ja auch niemand am Anfang des zwanzigsten Jahrhundert das Pferd als Transportmittel verbieten“) wenig überzeugend – schließlich führt Chrichtons Regierung Kriege wegen fossiler Brennstoffe.

Und bei aller berechtigten Kritik an den Umwelt-Theorien und der amerikanischen Naturschutz-Szene, in der „hauptberufliche“ Aktivisten wie Ralph Nader tatsächlich eine bedeutende Rolle spielen: ein Schriftsteller von Chrichtons Format hat – auch im Rahmen seiner schriftstellerischen Freiheit – eine Verantwortung dafür, wie er Menschen oder Organisationen darstellt.

Müssen wir uns da noch wundern, wenn auch seine Figuren etwas eindimensional und klischeehaft geraten sind? Alle Frauen sehen stets umwerfend aus, alle Männer bestechen durch athletische Körper und einen breiten Brustkorb. John Kenner, der Wissenschaftler vom M.I.T. (woher auch sonst?), ist die übliche wandelnde Datenbank. Und täglich geraten die Helden in lebensgefährliche Situationen, deren Folgen, ob Erfrierung oder Vergiftung, nach einer Mütze voll Schlaf wieder verflogen sind. Muss man sich über alle Naturgesetze hinwegsetzen, nur um den Thrill einer Geschichte zu steigern?

Vielleicht hätte Chrichton also eher ein Sachbuch schreiben sollen. Trotzdem ist der Roman spannend und kurzweilig. Und ohne Zweifel regt er dazu an, sich mal wieder mit Umweltfragen zu beschäftigen. Als Kontrastprogramm zu „Der Schwarm“ oder „The day after tomorrow“ taugt die „Welt in Angst“ allemal.

Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Crichton, der seit Mitte der sechziger Jahre Romane schreibt, verquickt immer neueste Erkenntnisse aus Naturwissenschaft, Medizin und Technik mit rasanter Handlung. Das brachte ihm den Titel "Vater des Techno-Thrillers" ein. Seine Romane - "Jurassic Park", "Enthüllung", "Die Wiege der Sonne", um nur einige seiner bedeutendsten zu nennen - wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Für die international erfolgreiche Serie "Emergency Room" schrieb er das Drehbuch.

Rezension von Silke Schröder


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