Michael Crichton: Welt in Angst
Welt in Angst von Michael Crichton ist spannend und kurzweilig. Und regt dazu an, sich mit Umweltfragen zu beschäftigen
. Peter Evans ist ein junger Staranwalt, der sich sehr für den Naturschutz
einsetzt. Und auch sein millionenschwerer Mandant George Morton investiert
viel Geld in die Umweltorganisation NERF. Nur durch Zufall kommen die
beiden einem unglaublichen Komplott auf die Spur: Will NERF zusammen mit
Ökoterroristen eine riesige Naturkatastrophe herbeiführen, um die Theorie
der künstlichen Erderwärmung zu „beweisen“?
Als Morton bei einem Autounfall ums Leben kommt, verdichten sich die Hinweise.
Zusammen mit Mortons Assistentin Sarah und dem durchtrainierten Wissenschaftler
und FBI-Agenten John Kenner versucht Evans, die Ökoterroristen aufzuhalten
– ein lebensgefährlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Keine Frage, Michael Chrichtons neuer Roman polarisiert. Stimmt die Theorie,
dass sich durch den CO2 Ausstoß die Erdatmosphäre gefährlich erwärmt,
oder ist alles nur Panikmache? Die Wissenschaft ist sich nicht einig,
doch für Chrichton ist die Sache klar: Umweltschutzkampagnen sind vor
allem das Karrierespungbrett ehrgeiziger Öko-Funktionäre, die von den
Ängsten anderer leben und dafür selbst mit Terroristen kooperieren.
Man kann darüber spekulieren, ob dies die ehrliche Überzeugung des Autors
ist, ob er sich den Frust über privaten Ärger mit der Umweltschutzbehörde
von der Seele schreiben wollte oder ob er neuerdings auf einer geheimen
Gehaltsliste der Bush-Administration steht, um den Nicht-Beitritt der
USA zum Kyoto-Abkommen zu rechtfertigen. Dennoch bleiben seine Verweise
auf technischen Fortschritt und die heilsamen Kräfte des freien Markts
(„Es musste ja auch niemand am Anfang des zwanzigsten Jahrhundert das
Pferd als Transportmittel verbieten“) wenig überzeugend – schließlich
führt Chrichtons Regierung Kriege wegen fossiler Brennstoffe.
Und bei aller berechtigten Kritik an den Umwelt-Theorien und der amerikanischen
Naturschutz-Szene, in der „hauptberufliche“ Aktivisten wie Ralph Nader
tatsächlich eine bedeutende Rolle spielen: ein Schriftsteller von Chrichtons
Format hat – auch im Rahmen seiner schriftstellerischen Freiheit – eine
Verantwortung dafür, wie er Menschen oder Organisationen darstellt.
Müssen wir uns da noch wundern, wenn auch seine Figuren etwas eindimensional
und klischeehaft geraten sind? Alle Frauen sehen stets umwerfend aus,
alle Männer bestechen durch athletische Körper und einen breiten Brustkorb.
John Kenner, der Wissenschaftler vom M.I.T. (woher auch sonst?), ist die
übliche wandelnde Datenbank. Und täglich geraten die Helden in lebensgefährliche
Situationen, deren Folgen, ob Erfrierung oder Vergiftung, nach einer Mütze
voll Schlaf wieder verflogen sind. Muss man sich über alle Naturgesetze
hinwegsetzen, nur um den Thrill einer Geschichte zu steigern?
Vielleicht hätte Chrichton also eher ein Sachbuch schreiben sollen. Trotzdem
ist der Roman spannend und kurzweilig. Und ohne Zweifel regt er dazu an,
sich mal wieder mit Umweltfragen zu beschäftigen. Als Kontrastprogramm
zu „Der Schwarm“ oder „The day after tomorrow“ taugt die „Welt in Angst“
allemal.
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard
Medizin. Crichton, der seit Mitte der sechziger Jahre Romane schreibt,
verquickt immer neueste Erkenntnisse aus Naturwissenschaft, Medizin und
Technik mit rasanter Handlung. Das brachte ihm den Titel "Vater des
Techno-Thrillers" ein. Seine Romane - "Jurassic Park",
"Enthüllung", "Die Wiege der Sonne", um nur einige
seiner bedeutendsten zu nennen - wurden auch als Filme weltweite Erfolge.
Für die international erfolgreiche Serie "Emergency Room" schrieb
er das Drehbuch.
Rezension von Silke Schröder
Thriller aus den USA
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