© Hanser Verlag
400 Seiten
August 2006
ISBN: 3446207589
Original: Talk Talk
T.C. Boyle: Talk Talk
Boyles neuer Roman "Talk Talk" beschäftigt sich mit zwei ganz unterschiedlichen Themen: Identitätsdiebstahl und Taubsein.
Als Dr. Dana Halter von der Polizei wegen eines
überfahrenen Stoppschilds angehalten wird, verändert dies ihr Leben. Sofort
festgenommen und wegen Autodiebstahls und schwerer Körperverletzung angeklagt,
dauert es einige Tage, bis herauskommt, dass Dana Opfer eines skrupellosen
Identitätsdiebstahls geworden ist. Doch dies ist nicht genug, der tauben
Frau wird der Job an der Gehörlosen-Schule gekündigt, und schon bald steht
sie mit einem Haufen Schulden da. Einzig ihr Freund Bridger, ein Grafik-Designer,
hält zu ihr. So machen sich die beiden auf, den Mann zu finden, der so gravierend
in Danas Leben hineingepfuscht hat. Ihre Jagd zieht sich quer durch die
USA von Kalifornien bis nach New York.
Boyles neuer Roman beschäftigt sich
mit zwei ganz unterschiedlichen Themen: Identitätsdiebstahl und Taubsein.
„Talk Talk“, das bedeutet so viel, wie sich in Gebärdensprache zu unterhalten.
Und so dreht sich sein neuer Roman um eine taube Frau, die sich in einer
Welt mit einer ganz anderen Sprache behaupten muss. Mit ihrem unsicheren
Rätselraten über das allgegenwärtige kommunikative Flirren zwischen den
Hörenden gibt uns Boyle eine kleine Vorstellung vom Leben in absoluter Stille
- in einer Zeit, in der Informationsaustausch immer schneller und wichtiger
wird. Zugleich greift Boyle eine andere brisante Zeiterscheinung auf: Nie
war es so einfach, an die persönlichen Daten anderer Leute zu kommen.
Durchaus
spannungsreich verknüpft der Autor diese Aspekte in seiner Handlung, spielt
mit den Perspektivwechseln zwischen dem Opfer und Täter: Dana Halter will
unbedingt denjenigen finden, der ihr Leben zerstört hat. Und der Täter,
ein verkorkster Restaurantbesitzer aus Connecticut, findet es unerträglich,
dass ihm die beiden Amateur-Detektive tatsächlich auf die Schliche kommen.
Dennoch hält Boyles neuer Thriller nicht ganz, was er auf den ersten Seiten
verspricht. Überstürzen sich die Ereignisse zunächst, so ergießt sich der
Autor dann in detail-verliebten Beschreibungen der Gemütszustände seiner
Protagonisten - und der amerikanischen Landschaft. Auch was die beiden unterschiedlichen
Themen in seinem Buch letztlich zusammenführt, bleibt am Ende ein Rätsel.
Für Boyle-Fans sicherlich ein Muss, für alle anderen ein Kann.
1948 geboren
in Peekskill, New York T.C. Boyle wuchs in schwierigen Familienverhältnissen
auf. Nach ausschweifenden Jugendjahren in der Hippie- und Protestbewegung
der 60er Jahre war Boyle Lehrer an der High School in Peekskill
und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten
in namhaften Zeitschriften. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern
in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California
das Fach "Creative Writing".
Rezension von Silke Schröder
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